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Achtsamkeit
Vergleichen wir den Geist mit
der Oberfläche des Meeres.
Auf dem Meer gibt es immer
Wellen, manchmal große, manchmal kleine. Das Ziel von Achtsamkeit besteht
nicht darin die Wellen zu verhindern, sondern die wechselhaften Zustände
unmittelbar wahrzunehmen, ohne im unendlichen Strom der Gedanken und
Gefühle zu versinken. Lernen wir " auf den Wellen zu reiten"
Buddhistischer Abhandlungen
zu Folge ist Achtsamkeit durch ein gelassenes, nicht wertendes und
kontinuierliches Gewahrsein wahrnehmbarer körperlicher und geistiger
Zustände und Prozesse von Augenblick zu Augenblick gekennzeichnet. Dies
bedeutet ein anhaltendes, unmittelbares Gewahrsein körperlicher
Empfindungen, Wahrnehmungen, Affektzustände, Gedanken und Vorstellungen.
Achtsamkeit ist nicht gleichbedeutend mit Nachdenken: Dies bedeutet
fortwährende Aufmerksamkeit gegenüber vorübergehenden geistigen Inhalten
im gegenwärtigen Augenblick, ohne dabei über die vorübergehenden geistigen
oder körperlichen Phänomene nachzudenken., diesbezügliche Vergleiche
anzustellen oder sie anderweitig zu bewerten.
Menschen sind sich im
allgemeinen ihrer Erfahrungen von Augenblick zu Augenblick nicht bewusst,
und sie operieren häufig im Autopiloten-Modus
Der Mangel an Bewusstsein
bezüglich der eigenen geistigen Inhalte und Prozesse bietet einen guten
Nährboden für fehlerhafte Wahrnehmung und Selbsttäuschung. (Verspannungen,
Abspaltungen, neurotisches und zwanghaftes Verhalten, Fehlinterpretationen
und einseitige Gewichtung von Emotionen, Gedanken und Vorstellungen führen
zu chronischen Schmerzzuständen, Stress, Angst, Aggression,
Depression, Suchtverhalten...........)
Wir sind in der Lage dazu,
die Fähigkeit zu entwickeln, von Augenblick zu Augenblick ein nicht
wertendes und höchst differenziertes Bewusstsein unserer geistigen Inhalte
aufrecht zu erhalten.
Die Entwicklung dieser
Fähigkeit geht allmählich vonstatten, nimmt langsam zu und erfordert
ständiges üben.
Durch das Bewusstsein der
Erfahrung von Augenblick zu Augenblick entsteht ein reichhaltiges und
vitales Lebensgefühl, insofern als die Erfahrungen dabei lebhafter werden
und unbewusste Reaktivität durch achtsame Anteilnahme ersetzt wird.
(Spannungen und fehlerhafte Vorstellungen werden erkannt und
losgelassen bzw. neu interpretiert; belastende Situationen und
Emotionen gleichmütiger gemeistert...)
Durch eine solche beständige,
nicht wertende Beobachtung körperlicher und geistiger Inhalte entsteht
langsam ein größerer Wahrheitsgehalt der Wahrnehmung.
Weil eine genaue Wahrnehmung
der eigenen körperlichen und geistigen Reaktionen auf äußere und innere
Stimuli erreicht wurde, werden dadurch zusätzliche Informationen gewonnen,
die wiederum wirksame Handlungen in der Welt fördern und zu einem
stärkeren Gefühl der Kontrolle führen.
Um Achtsamkeit zu definieren werden folgende
zentrale Merkmale aufgelistet.
Gegenwärtigkeit
Ein zentrales Merkmal von Achtsamkeit ist der direkte, unmittelbare
Kontakt zu den Erfahrungen der Gegenwart. Die Aufmerksamkeit richtet sich
auf die gegenwärtigen Gedanken, Gefühle, Körperempfindungen und äußeren
Reize. Die momentane Situation und die aktuellen emotionalen, mentalen und
physischen Prozesse werden bewusst wahrgenommen. Da die Achtsamkeit in
einer engen Beziehung zur Gegenwart steht, ist Vergangenes oder
Zukünftiges weniger bedeutsam.
Urteilslosigkeit
Gegenwärtige Erfahrungen werden oft mit früheren Erfahrungen verglichen
und daraufhin beurteilt. Urteile sind aber "einschränkende Gedanken über
das Erleben" (Kabat-Zinn, 2001).
Achtsamkeit ist gekennzeichnet durch unvoreingenommenes unmittelbares
Wahrnehmen und Beobachten aller Erfahrungen sowie durch die Vermeidung von
Bewertungen in positive, negative oder neutrale Kategorien. Falls Urteile
beobachtetet werden, werden auch diese achtsam wahrgenommen.
Akzeptanz
Achtsamkeit akzeptiert alles so, wie es ist. Jeder Augenblick ist absolut
vollwertig und kann so angenommen werden wie er ist. Gedanken und Gefühle
werden wahrgenommen und beobachtet, ohne dass es zu einer Identifizierung
mit diesen kommt. Negative und positive Erlebnisinhalte werden weder
vermieden noch verstärkt
oder verändert. Die akzeptierende Haltung ist jedoch nicht gleichzusetzen
mit einer passiven oder resignativen Haltung. Es geht darum eine offene
und empfängliche Haltung einzunehmen, um die Anforderungen einer Situation
genau wahrnehmen zu können und angemessen agieren zu können.
Nicht-Identifikation
Eine Identifikation mit den gegenwärtigen Gedanken und Gefühlen erfolgt
häufig automatisch. Dabei werden die Erlebnisinhalte als vollwertige
Abbildungen der Realität betrachtet. Es wird nicht überprüft, inwiefern
die eigenen Gedanken und Gefühle den Tatsachen entsprechen. Achtsamkeit
identifiziert sich nicht mit den Erfahrungsinhalten, sondern beobachtet
sie nur. Damit wird sie von dem Erfahrungsstrom nicht mitgerissen, sondern
bleibt als Beobachter der Gedanken und Gefühle im gegenwärtigen Moment.
Das Beobachten von Erlebnisinhalten führt zu der Erkenntnis, dass jeder
Gedanke und jedes Gefühl nur so viel Wichtigkeit oder inhärenten Wert
besitzt, wie man ihnen zugesteht. Die Nicht-Identifikation ist jedoch
nicht zu vergleichen mit einer gleichgültigen Distanziertheit, sondern sie
meint ein unmittelbares Teilhaben an der gegenwärtigen Erfahrung.
Abnehmende Reaktivität
Achtsamkeit identifiziert sich nicht mit den gegenwärtigen Erfahrungen.
Diese Haltung
verhindert automatische Reaktionen und ermöglicht stattdessen achtsames
Wahrnehmen der Erlebnisinhalte. Dadurch kann bewusst und angemessen
gehandelt werden.
Prozesshaftigkeit
Gedanken, Gefühle, körperliche Empfindungen und äußere Reize sind nicht
beständig, sondern verändern sich permanent. Achtsamkeit beobachtet diesen
inneren und äußeren Fluss des Entstehens und Vergehens ohne die einzelnen
Inhalte zu deuten oder zu beurteilen.
"Anfängergeist"
Der "Anfängergeist" nimmt eine offene und unvoreingenommene Haltung
gegenüber allen Erfahrungen des gegenwärtigen Augenblicks ein. Er urteilt
nicht und verfällt nicht in Routinehandlungen, sondern ist fähig, jede
Erfahrung immer wieder neu, wie mit den Augen eines Kindes, zu betrachten
(Suzuki, 1975) Durch diese Offenheit können die vielen Möglichkeiten, die
im gegenwärtigen Augenblick liegen, voll erfasst werden.
Absichtslosigkeit
Achtsamkeit hat nicht die Absicht, etwas verändern oder ein bestimmtes
Ziel erreichen.
zu wollen. Das Wahrnehmen und Beobachten positiver, negativer und
neutraler Erfahrungen geschieht ohne den Versuch, Einfluss nehmen zu
wollen. Relevant ist allein der Kontakt zu den gegenwärtigen Erfahrungen.
Weiterführende Informationen
Wickipedia
Chögyam Trungpa "Achtsamkeit, Meditation & Psychotherapie"
Mahathera Henepola Gunaratana " Die Praxis der Achtsamkeit"
Thich Nhat Hanh "Umarme deine Wut: Sutra der Vier Verankerungen der
Achtsamkeit"
Thich Nhat Hanh "Ärger: Befreiung aus dem Teufelskreis destruktiver
Emotionen"
Hans Gruber "Kursbuch Vipassana"
Nyanaponika "Geistestraining durch Achtsamkeit"
William Hart "Die Kunst des Lebens"
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